Hier zeige ich Euch mal zwei Bilder aus meiner Umgebung:
Das hier ist der Strand von El Arenal (etwa 500 Meter von meiner Wohnung entfernt)


Hier die Geschichte wie ich nach Mallorca gekommen bin:
Das Leben ist ein ruhiger, langer Fluss, das habe ich mal in einem Buch gelesen und ich frage mich ernsthaft, auf welches Leben diese Beschreibung zutreffen soll. Auf meines jedenfalls ganz sicher nicht, wenn mein Leben ein Fluss wäre, dann sicher kein ruhiger, sondern einer voller Wellengang. Dabei sah es 2007 noch so gut aus, damals habe ich gerade Klaus kennen gelernt, ein gutaussehender Mann, 10 Jahre älter als ich (ich war damals gerade 25), Typ Businessman, mit Anzug und Krawatte und gut bezahltem Job. Wir haben uns in einer Disco in Augsburg getroffen, wo ich mit Kolleginnen aus meinem damaligen Job (ich war da gerade frisch auf den Posten der stellvertretenden Leiterin eines kirchlichen Zentrums für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche befördert worden, direkt nach meinem Diplom natürlich eine riesige Chance, zu beweisen, was ich leisten kann, wenn man mich nur lässt) unterwegs war, und mich traf sofort als ich ihn sah der Schlag. Also positiv, so Liebe auf den ersten Blick halt. Ich scheine ihm auch gefallen zu haben, jedenfalls sprach er mich an und ich konnte nur stottern „Ja, hallo, ich bin die Heike, Heike Richthofer“, nur halt noch viel weniger souverän als ich es jetzt hier niederschreibe. Halt mit viel mehr Rumgestotter und unsicherem zu Boden blicken. Klaus hat nur gelächelt und gefragt, ob er mich nun Frau Richthofer nennen solle, oder ob wir uns Duzen wollten. Blöde Frage natürlich. Er hat mich dann zu einem Drink eingeladen und ich bekam ganz weiche Knie. Und meine Kolleginnen haben nur gekichert, die können ja auch einen auf cool machen, die eine, die Petra, ist schon seit Jahren mit ihrem Kerl verheiratet, aber egal. Jedenfalls, Klaus und ich haben uns dann verabredet und getroffen, er arbeitete im Versicherungsbereich, da scheint man richtig Geld verdienen zu können, wenn man sich gut verkaufen kann. Und das konnte Klaus, ohja, das konnte der.
Jedenfalls sind wir dann recht schnell ein Paar geworden, so im Sommer 2007, und nach ein paar Wochen fragte er mich, ob ich nicht zu ihm ziehen wolle. Was ich – naiv wie man halt so ist – nur zu gerne wollte, und so habe ich meine kleine Wohnung in Augsburg aufgegeben und bin zu ihm in ein Penthouse gezogen, richtig schick eingerichtet (der Klaus hatte eine Innenarchitektin, hab ich mir damals noch nichts dabei gedacht), und ein paar Monate ging es auch total gut mit uns, ich meine, es stimmte alles. Ich war verliebt, er trug mich auf Händen, er hat mich in die edelsten Restaurants eingeladen, brachte mir Blumen mit, wir waren romantisch im Kino und haben kaum was von den Filmen mitgekriegt, das waren tolle Zeiten. Im Job lief es auch rund damals, die Kids (wir nennen ja auch die Heranwachsenden Kids, auch wenn die das nicht mögen, die wollen halt schon erwachsen sein, mit 13, 14, und sind dabei noch richtige Kinder) akzeptierten mich und auch mit den Kolleginnen kam ich meistens gut aus. Doch so im Winter 2007/2008 fing es dann an, Klaus war immer öfter auf langen Reisen, angeblich aus beruflichen Gründen (das hab ich ihm natürlich geglaubt, erstmal), und auch im Job fing es an, dass der Druck ständig zunahm. Die Mittel wurden gekürzt, das bedeutete, dass wir eine Betreuerin entlassen mussten, also genauer, ich „durfte“ das übernehmen, weil meine Chefin da gerade Migräne hatte und krank zu Hause lag (ich würde wetten, die wusste das schon länger und hat sich genau an dem Tag ihren „Migräne-Anfall“ genommen), und das war ziemlich mies, weil die Inge, so hieß die Betreuerin, war schon ewig lange da, länger als ich und verstand es überhaupt nicht, warum sie nun entlassen wurde. Hat voll den Lauten gemacht, rumgezickt und gestresst und geheult hat sie auch (kann ich ja alles verstehen), und am Ende hat sie gedroht, sie würde vor das Arbeitsgericht gehen und sich wieder hier rein klagen. Als ich Abends dann mit Klaus telefoniert habe, hörte ich im Hintergrund (er war grade „beruflich“ im Ausland) eine Frauenstimme und war erstmal völlig bedient. Hab dann auch geheult und mich abends mit einer Flasche Sekt in der Badewanne betrunken, und mich gefragt, ob ich mir mein Leben wirklich so vorgestellt habe, wie es nun läuft. Die Inge hat wirklich geklagt und auch Recht bekommen, da war so ein blöder Formfehler bei der Kündigung, irgendwas mit Fristen nicht beachtet, jedenfalls kriegte die noch richtig Geld, und meine Chefin hat behauptet, dass ich das verbockt hätte. Das war so im Frühjahr 2008, mit Klaus lief es da auch schon nicht mehr richtig gut, der hat mir an seinem Geburtstag mitgeteilt, dass er mit Charlotte (der doofen Innenarchitektin) ein Verhältnis hätte und sie nun schwanger von ihm ist, weswegen ich dann mal das Penthouse räumen müsse, wir könnten uns ja weiterhin treffen und so, er würde mir auch Geld geben, für Miete etc. Da hat es mir echt gereicht mit dem alten Sack. Ich bin dann noch in der gleichen Nacht ausgezogen, hab meine ganzen Sachen gepackt und bin weg, erstmal raus aus dieser Wohnung, diesem schicken Einrichtungsstil, erstmal zu einer Freundin. Man soll der Liebe ja nicht hinterher weinen, lohnt sich nicht, doch ich hab trotzdem geheult, nächtelang hab ich geflennt und morgens dann wieder in den Job, wo ebenfalls dicke Luft war. Das war vielleicht eine üble Zeit, wenn ich daran zurückdenke....
So im April, Mai hat sich dann eine Kommilitonin von mir gemeldet und mir von Mallorca vorgeschwärmt, sie würde da arbeiten, es wäre voll entspannt, ständig gutes Wetter, entspannte Leute, das Meer. Ich wusste da ja gar nicht, dass man dort einfach arbeiten kann, doch der EU sei Dank, das geht tatsächlich. Spanisch hatte ich ja in der Schule und konnte daher noch so ein bisschen was an Vokabeln und dann hab ich es einfach probiert, hab in meinem Job gekündigt, meine Sachen gepackt (viel hatte ich ja nicht, als ich damals bei Klaus eingezogen bin, haben wir die meisten meiner Möbel einfach weggeworfen, er war ja komplett möbliert), bin nach München gefahren und in einen Flieger nach Malle. Dort bin ich dann erstmal bei der Astrid, meiner Kommilitonin untergekommen, die hatte in Palma eine Wohnung, und so hab ich dann mein Leben, diesen langen, ruhigen Fluss *haha* neu geordnet. Astrid hat mir geholfen, hat mich in ihrem Heim für schwer erziehbare Jugendliche vorgestellt, da konnte ich mitarbeiten und zeigen, dass ich mit den Kids gut umgehen kann, und weil die in Spanien eh viel lockerer sind als in Augsburg, hab ich da dann nach ein paar Wochen einen festen Vertrag bekommen und die haben mir dann auch noch geholfen, eine schöne Wohnung an der Playa de Palma zu finden. Und so bin ich also nun seit einem Jahr auf Mallorca, der Job ist in Ordnung, besser jedenfalls, als irgendwo zu jobben, Touris bedienen oder sowas, ich krieg regelmäßig Geld und hab hier neue Freunde gefunden. Sogar vielleicht eine neue Liebe, den Antonio, doch das ist noch zu frisch, um mich da schon wieder voll reinzuknien, wir kennen uns zwar schon seit einem halben Jahr, doch erst vor ein paar Tagen haben wir uns zur ersten Mal geküsst. Er ist schüchtern und ein Jahr jünger als ich, also 26, vielleicht hab ich ja mit einem jungen Kerl mehr Glück, als mit einem alten Sack. Mir gefällt ja sehr, dass er kein Aufreißer ist, obwohl der lecker aussieht, er arbeitet in einem Strandcafe als Kellner, das bedeutet, der ist immer braun gebrannt und hat ein Lächeln, da schmelzen nicht nur die Eiswürfel in der Cola, echt. Jedenfalls sieht es im Moment alles nicht mal so schlecht aus, ich verdiene Geld wo andere Urlaub machen und das noch in meinem gelernten Beruf, und Auslandserfahrung macht sich in der Vita ja auch immer gut, das Wetter ist deutlich besser als in Augsburg, nur meine Eltern und meinen Bruder vermisse ich doch arg, obwohl die im Sommer hier waren, für zwei Wochen, das ist halt der Vorteil, wenn man auf Malle ist, nach Finnland oder so hätte ich die nicht so schnell gekriegt. Besonders mein Dad ist natürlich nicht glücklich damit, dass sein Töchterchen im Ausland lebt, weit weg von seiner Kontrolle, doch wenn es nach dem ginge, hätte ich auch damals gar nicht ausziehen dürfen, sondern würde immer noch in meinem Mädchenzimmer bei meinen Eltern leben, mit den Bravo-Starschnitten. Meine Mutter ist da lockerer, die ist ja damals auch schon mit 19 ausgezogen, zu meinem Dad übrigens, doch das scheint der vergessen zu haben. Ich muss langsam mal Schluss machen, weil ich gleich zu meinem Dienst antreten muss, heute ist ein Geburtstag zu feiern, Carlos wird 12, offiziell also Teenager, dabei raucht der schon seit einem Jahr (heimlich, doch ich hab es gemerkt, ich bin ja nicht doof und rieche das). Ich geh also mal wieder auf meinen ruhigen Fluss und lass mich dem Tag entgegen treiben, sobald ich wieder mal ein bisschen Zeit finde, schreibe ich mehr über mein Leben auf Malle. Doch jetzt muss ich mich echt beeilen, sonst komm ich zu spät.
Meine Anschrift: Heike Richthofer, Calle Jaume, 16, 04532 Palma de Mallorca, Telefon 0034-669-543826